warum bloggen?

Aus vielen Gründen. Graphomanie (die gibt es wirklich, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Graphomanie), Mitteilungsdrang oder das Verständnis vom Wissenschafter als jemanden, der die Öffentlichkeit an seinen Erkenntnissen Anteil haben lassen sollte.

Um es mit Pierre Bourdieu zu sagen:

Eine Aufgabe gerade der Forscher und Wissenschaftler – und vor allem vielleicht der Sozialwissenschaftler – besteht darin, die Erträge ihrer Forschung allen zugänglich zu machen. Wir sind, wie Husserl sagte, „Beamte der Menschheit“, vom Staat bezahlt, um etwas aus dem Bereich der Natur oder der Gesellschaft ans Licht zu bringen, und es gehört, wie es mir scheint, zu unseren Verpflichtungen, das Entdeckte offenzulegen.[1]

Gerade die Sozialwissenschaft steht oft mit dem Alltagswissen und -erfahrungen in Konkurrenz. Daraus ergibt sich einerseits die Gefahr, dass aufgrund ihres autopoietischen Charakters (im Luhmannschen Sinne) Distinktion auf Kosten des Erkenntnisgewinns und der Verständlichkeit zum reinen Selbstzweck verkommt. Mit anderen Worten: Simples erzwungen kompliziert verpackt wird. Andererseits können Wissenschaft und allgemeine Eindrücke einander widersprechen. Der Begriff des „Theoretikers“ wird dann schnell zum Schmähwort als Bezeichnung für jemanden, der „die Praxis“ nicht kennt und Ansichten vertritt, die „in der Welt da draußen“ unbrauchbar sind.

Davon abgesehen leben wir bekanntermaßen in Zeiten der Spezialisierung und des Expertentums. Der Sinn für das große Ganze oder zumindest einen breiteren Kontext geht mit der Obsession für Detail allerdings schnell verloren. Das Faustsche Ideal des Allwissenden, in mehreren Gebieten Versierten („habe nun, ach…) gilt heute vielfach als utopisch, allenfalls als hehres Ideal.

Bloggen kann dazu dienen, um möglichen negativen Tendenzen dieser beiden Entwicklungen entgegenzuwirken. Durch leicht zugängliche Information soll eine Brücke zur allgemeinen Bevölkerung – dem vielgenannten „interessierten Laien“ – aber auch Vertretern aus anderen Disziplinen gebaut werden. Nicht immer mit vollem Ernst und stets bemüht, Dinge zu hinterfragen, die man bereits als selbstverständlich wahrnimmt, obwohl sie das nicht sein sollten.

 

[1] Pierre Bourdieu, Über das Fernsehen (Suhrkamp 1996/1998), 18

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