Unsortierte Gedanken zur Wahl

ein paar unsortierte Gedanken, falls wer heute nicht genug vom Politisieren bekommen kann. Wer seiner Euphorie weiter ungebremst freien Lauf lassen will, der möge die Finger vom „Weiterlesen“-Feld lassen.

— Das Ding war weniger eine pro-Van der Bellen als eine Anti-Hofer-Wahl. So wie die Wienwahl keine pro-SPÖ-Wahl, sondern eine Anti-FPÖ-Wahl war. Dafür reicht ein Blick auf das mediale Getöse und die breite „Hautevolee“ (instant Fendrich-Ohrwurm, sicher auch NLP!!!)-Allianz. Das sollte dem neuen Präsidenten bewusst sein. VdBs Legitimation gründet sich weniger auf seine Person als auf die immer noch breite Ablehnung gewisser einschlägiger Meinungen und Bewegungen.

— Damit zusammenhängend: Es waren nur einige wenige Stimmen, die den Ausschlag gegeben haben. Die Krone titelt „der halbe Präsident“; das kann man hinterfragen oder kritisieren, aber die Sache hat einen wahren Kern – viele würden Van der Bellen gewiss nicht als „ihren“ Präsidenten bezeichnen (siehe dazu https://ralphjanik.wordpress.com/2016/04/27/das-gespaltene-land/). Auch wenn das Wahlergebnis akzeptiert wird (auch von der FPÖ), fehlt es ihm momentan an breitem Rückhalt. Es wird sich weisen, ob Van der Bellen ein 2/3 oder gar 3/4-Präsidenten wird. Wenn er sich zu weit aus dem Fenster lehnt, könnte er schnell weiter an Legitimität einbüßen, die letzten Wochen haben ja bereits tiefe Imageschäden hinterlassen.

— Die Probleme, die dieses eigentlich gemütliche Land in eine Art Web 2.0-Bürgerkrieg getrieben haben, bestehen nach wie vor. Es ist nur vorerst kein neues dazugekommen; mir graut immer noch davor, was passiert wäre, wenn Hofer gewonnen hätte. Denke nicht, dass Österreich zu Ungarn geworden wäre. Möglich, durchaus, aber allein, mir fehlt der Glaube. Dazu ist die FPÖ institutionell zu wenig verankert. Was sonst so auf dem Speiseplan der bösen Folgen gestanden wäre? Martialische Rhetorik von Seiten des Präsidenten, der nach jeder Vergewaltigung Öl ins Feuer gießt und uns daran erinnert, wie dünn die Schicht der Zivilisation sein kann? Demos, böse Demos, mit Ausschreitungen und allem was dazu gehört? Außenpolitische Isolation Österreichs, gefolgt von einem Solidarisierungseffekt in der Bevölkerung like it’s 1999? Zunehmende Spaltung, die an einen Riss grenzt? Brrr.

— Ja, man kann in van der Bellen das geringere Übel sehen oder sich freuen. Ja (damit zusammenhängend), Kern hat gute Einstiegsworte gefunden. Es herrscht bei manchen nachvollziehbare Aufbruchsstimmung, zumal ewiger Pessimismus keinem gut tut. Es sei ihnen unbenommen. Aber (ja, jetzt kommt das aber) passiert ist noch nichts. Die Frage, ob die politische Elite die Zeichen der Zeit erkannt hat, bleibt weiter offen. Der Berufspessimist in mir sagt nein. Zumal man das Ding ja irgendwie dann immer noch hingebogen hat. Am Ende setzte es dann doch keine Watsch’n, sondern ein leichtes Tätscher’l.

Nur der kleine verprügelte Rest-Optimist denkt sich, dass das  schon alles werden wird und wir uns ein in ein paar Jahren wir uns über den jetzigen Wahn so wundern wie wir uns heute über den Millenium-Bug.

— Wir könnten uns jetzt natürlich auch über ganz viele andere Dinge unterhalten, die an Tagen wie diesen hervortreten. Demokratie, Post-Demokratie, Politainment, personenbezogener Hype, das Verhältnis Einzelmensch vs. Masse,… aber jetzt ist nicht der Moment für Metagelaber.

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