Feminismus und Islam

In der schönen roten Bar vom Volkstheater ging es Sonntag Früh (ja, 11h ist früh) unter dem Titel „What’s up, Feminismus?“ um den Zustand des Feminismus im Lichte von Köln, Burkadebatte oder der polnischen Proteste gegen das geplante Abtreibungsgesetz. Insbesondere die anschließende offene Diskussion hat gezeigt, wie viel Sprengkraft im feministischen Umgang mit dem Islam liegt. Das Thema wird uns auf unbestimmte Zeit beschäftigen.

„Der“ Feminismus (wie bei allen -ismen ist es ja schwierig bis unmöglich, angesichts der vielen Unterkategorien und Auffassungen von einem großen einheitlichen Konzept zu sprechen) sieht sich schon lange dem Vorwurf ausgesetzt, das Thema Islam entweder zu ignorieren oder kleinzureden. Um den Vorwurf genauer zu formulieren: Während über Themen wie Quoten, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Manspreading und -splaining gesprochen wird, kommt dem im Islam weit verbreiteten höchst fragwürdigen Frauenbild relativ wenig Aufmerksamkeit zu. Zu groß die Sorge, Rassisten in die Hände zu spielen oder gar selbst als Rassist zu gelten.

Schon der streitbare Köln-Artikel von Alice Schwarzer beziehungsweise Alice Schwarzer als solche zeigen, wie tief der Riss geht, der sich durch den Feminismus beim Thema Islam – als Religion und auch als Kulturkreis – zieht. Man wird nicht umhin kommen, sich den damit einhergehenden schwierigen Fragen zu stellen. Antworten und Konzepte zu finden (oh ja, äußerst leicht gesagt, I know). Empowerment von Musliminnen inklusive der Rolle des Kopftuchs (ab wann kann man von Freiwilligkeit sprechen) oder, komplementär dazu, die Erziehung männlicher muslimischer Jugendlicher. Die entscheidende darüberstehende Frage liegt ganz allgemein in der Bestimmung der Grenzen von Religionsfreiheit und dem, was oder wie viel man als kultureller Partikularität akzeptieren möchte.

Es wird nicht einfach, aber mittlerweile führt kein Weg darin vorbei, zumal der Anteil von Muslimen in Österreich weiter ansteigen wird und bereits jetzt äußerst viel Handlungsbedarf besteht. Köln hat auch deshalb zu einer Okkupation von Frauenthemen durch just jene Kräfte geführt, in deren Händen man diese eben nicht sehen möchte, weil es hier einen blinden Fleck gibt: Der Islam ist sozusagen die Achillesferse des Feminismus. Wer die Deutungshoheit behalten oder überhaupt erst erlangen möchte, muss sich erst einmal möglichst offen und ohne Selbstbeschränkungen  des Themas annehmen.

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