Schlafwandler? Game of Thrones im Nahen und Mittleren Osten

Die Spannungen im Nahen und Mittleren Osten erreichen nach dem Zwist wegen Katar eine neue Dimension, Sigmar Gabriel warnt gar vor einem Krieg. Das unüberschaubare Geflecht an wechselseitigen Interessen und Allianzen erinnert an den dreißigjährigen Krieg oder das europäische Schlafwandeln vor dem ersten Weltkrieg. Im Folgenden soll versucht werden, ein wenig Übersicht zu schaffen.

Die Kurdenfrage

Im Zuge des Isolation Katars haben die syrischen Kurden (YPG) ihre Bereitschaft bekanntgegeben, in Syrien mit Saudi Arabien kooperieren zu wollen. Die Türkei, die die YPG mit der türkischen PKK gleichsetzt, unterstützt Katar wiederum.

Die USA befinden sich ohnehin in einem Zwiespalt: Einerseits steht Donald Trump mehr oder minder bedingungslos hinter Saudi Arabien. Andererseits liegt in Katar die größte Militärbasis der USA (11 000 Soldaten), von der aus die US-Luftwaffe in Syrien, Afghanistan, Irak und 18 weiteren Staaten beaufsichtigt wird. Vielleicht sollte das jemand Donald Trump mitteilen, der die Vorgehensweise gegen Katar als möglichen Anfang vom Ende des Terrors gefeiert hat.

 

Außerdem beliefern die USA – zum Missfallen der Türkei – die YPG mit Waffen (siehe dazu auch den Bericht der International Crisis Group zur US-Unterstützung für die YPG und ihrem Verhältnis zur PKK). Zur Klarstellung: Ein NATO-Mitglied (die Türkei) bekämpft in Syrien just jene Kurden, die als verlässlicher und genuin-moderater Partner im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ gelten. Eben, weil die Türkei die YPG als Terrorgruppe ansieht beziehungsweise mit der PKK gleichsetzt.

(Übrigens, wer glaubt, dass die Kurden eine geschlossene Einheit bilden irrt. So ist es möglich, dass die Türkei mit den irakischen Kurden unter Barzani einigermaßen gute Beziehungen unterhält, die zuletzt aufgrund der Absicht, im September ein Unabhängigkeitsreferendum halten zu wollen, allerdings wieder gelitten haben).

Die syrische Gewaltspirale

Daneben gehen die USA in Syrien immer öfter direkt gegen Assad beziehungsweise regierungsnahe Gruppen vor. Die typische Dynamik in Stellvertreterkriegen und ein Hauptgrund dafür, weshalb sie so lange andauern: Sobald eine Partei stärker wird oder gar obsiegen könnte, erhöht die Gegenseite ihr Engagement. Assad, Russland und der Iran sollen das Land nicht bekommen, weshalb man einerseits Staaten wie Saudi Arabien und Kämpfer vor Ort unterstützt (bei denen sehr oft unklar bleibt, inwiefern sie moderat sind, um das US-amerikanische buzzword zu bemühen) und andererseits selbst eingreift. (siehe dazu bereits die Entwicklungen im Herbst 2015, nachdem Russland mit Luftangriffen begann und auch der Iran sich verstärkt engagiert hatte)

Im größeren Kontext geht es um viel: Die US-Rolle in der Region, den Kampf gegen den „Islamischen Staat“, die große Konfrontation zwischen dem Iran und Saudi-Arabien, die türkische Sorge vor der Errichtung eines Kurdenstaats oder Israels Sicherheitsinteressen (für Israel ist immer noch der Iran die größte Bedrohung). Analogien zum dreißigjährigen Krieg und dem europäischen Schlafwandeln vor dem Ersten Weltkrieg haben Hochkonjunktur.

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