„War Machine“: Prädikat sehenswert

War Machine ist ein sehr guter Film. Die doch eher schlechten Bewertungen auf rottentomatoes, IMDb oder Movie sollte man ignorieren. Zumindest für Menschen mit Interesse für internationale Politik ist der Film äußerst sehenswert.

Ich habe mir spontan „War Machine“ angesehen. Soll heißen: Ich wusste nicht, dass es den Film gibt, geschweige denn, worum es darin geht. So gesehen ideale Voraussetzungen für Unvoreingenommenheit.

Am Anfang habe ich mich daran gestoßen, wie überzeichnet Brad Pitt General Glen McMahon spielt, auch die Beschreibung seiner Entourage empfand ich nur mäßig komisch. Ein wenig hatte ich das Gefühl, hier wurde krampfhaft versucht, Anchorman und allgemein Will Ferrell zu kopieren. Abgesehen davon muss ich bei Brad Pitt immer noch an sein 1990erjahre-Schönling-Image („Interview mit einem Vampir“) denken. Aber gut, Humor ist am Ende des Tages eine höchstsubjektive Angelegenheit.

On point-Kritik

Mit fortschreitender Dauer zeigt sich jedoch: Hier wurde etwas Großes geschaffen und auch entsprechende Recherche betrieben. War Machine ist eine überaus gelungene schonungslose Kritik an der illusorischen Idee des „Nation Building“ oder „State Building“ (darunter versteht man „the creation of new government institutions and the strengthening of existing ones“[1]) in Afghanistan. Die schwierigen (Kampf-)Bedingungen vor Ort, mitsamt der Ununterscheidbarkeit von Zivilisten und Kämpfern (die im Regelfall keine Uniformen tragen). Die Konfrontation zwischen jungen, ihrerseits oft wenig gebildeten Soldaten aus der US-amerikanischen Unterschicht und dem afghanischen Volk. Zivile Opfer und die Schwierigkeit, die Hinterbliebenen für sich zu gewinnen; das allgemeine Misstrauen des afghanischen Volks. Hamid Karzai als bloße Marionette, um den Schein afghanischer Souveränität zu wahren. Das Desinteresse der US-Administration mit Barrack Obama an ihrer Spitze. Das arrogante Gehabe von Seiten der Regierungsvertreter. Das Aufeinanderprallen zweier Welten: Der zivilen und der militärischen, wobei erstere gänzlich andere Maxime verfolgt, die einen „Erfolg“ (wie auch immer dieser in einem Land wie Afghanistan aussehen soll) ab initio zunichte machen.

Ein wenig fühlt man sich dabei auch an die VICE-Doku „This is What Winning Looks Like“ erinnert, die die Schattenseiten innerhalb der afghanischen Sicherheitskräfte –Kindesmissbrauch, Korruption, Drogenmissbrauch oder allgemeines Fehlen von Organisation und Disziplin – ebenso behandelt wie US-Soldaten, die nicht so ganz wissen, wie sie mit dieser bisweilen bizarren Situation umgehen sollen. Wer diese Bilder gesehen hat, wird auch verstehen, wieso man Afghanistan von außen nicht einfach so einen funktionierenden Staat aufbauen kann.

Klare Empfehlung

Diese ernüchternden Erkenntnisse finden sich, wenn auch weniger drastisch, auch in War Machine, nur eben für ein breiteres Publikum. Und während manche Filmkritiker damit anscheinend überfordert waren oder fast schon zwanghafte Kritikpunkte suchten, wurde er von Soldaten mit entsprechenden Erfahrungen und Einblicken  für äußerst gut und erschreckend realitätsnah befunden (siehe auch diesen Beitrag bei War on the Rocks). Grund genug, ihn sich aller Bewertungen zum Trotz anzusehen (am besten mit This is What Winning Looks Like zur Einstimmung!).

 

[1] Francis Fukuyama, State Building. Governance and World Order in the Twenty-First Century (Profile Books 2005), xvii

 

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